Zum Thema Räucherungen & Räuchermischung „März“

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Ich beschäftige mich seit fast 15 Jahren mit Räucherstoffen und mische Harze, Kräuter und Gewürze zu eigenen Mischungen zusammen. Dazu gekommen bin ich eigentlich aus Neugier, da viele fertige Mischungen ihre Bestandteile nicht veraten und ich gerne wissen wollte, was ich da eigentlich rieche. Ausserdem habe ich damals fest gestellt, dass ich die Elemente Feuer, Wasser und Erde bereits gut integriert hatte, mir jedoch etwas für die Luft fehlte.

Räuchermischungen selber zusammen stellen ist ein bischen wie kochen und wenn man die Einzelteile in Ruhe kennen lernt, hat man irgendwann eine ganz gute Vorstellung davon, was zusammen passt und wie das Ergebnis riechen mag. Räucherungen lassen sich auch gut als Werkzeug zur Konditionierung nutzen, wer zum Beispiel regelmässig meditiert, kann sich mit einem bestimmten, immer gleich bleibenden Geruch auf die Meditation einstellen. Das Prinzip lässt sich auch auf kreative Prozesse oder innere Reisen verschiedenster Art übertragen. Auch bei von mir organisierten Veranstaltungen, die drinnen statt fanden, habe ich immer Räucherungen benutzt, um das Ambiente abzurunden und eine Stimmung zu unterstreichen, die jenseits des Alltags liegen sollte.

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Ich benutze verschiedene Mörser & Stössel und sammle die Zwischenergebnisse in kleinen Steinschalen. Porzellan- oder Glasschalen wären auch akzeptabel, aber die ehemalige Geologin in mir zieht den Stein vor. Die kleinen Schalen habe ich über Jahre gesammelt, als ich beruflich noch auf mineralogische Messen ging, ein weiterer Teil kam hinzu, als ich ein paar Monate in einem Hexenhaus in Idar-Oberstein wohnte, der Edelsteinhauptstadt Deutschlands. Keinesfalls sollte man Plastik verwenden, da dieses Geruch annimmt und nur schwer wieder her gibt. Mal davon abgesehen, dass Plastik an sich riecht.

Die hier vorgestellte Räuchermischung trägt den Arbeitstitel „März“, da mir nichts passenderes eingefallen ist. Ich wollte eine winterliche, aber warme Mischung herstellen und denke, das ist ganz gut gelungen. Wenn ich umziehe (was im März der Fall war) oder einen neuen Schrank benutzen will, räuchere ich immer erst einmal alles aus. Manch einer mag das als vertreiben alter Geister ansehen, es gefällt mir allerdings auch, einen eigenen Geruch in alles zu bringen, was vorher fremd gerochen hat.

20150331_193855Räuchermischung „März“

Bestandteile: Hagebutten | Alkannawurzel | Wacholderbeeren | Kardamom | Sternanis | Damar (braun) | Lavendelblüten.

In etwa zu gleichen Teilen, Wacholderbeere & Lavendelblüten leicht dominant, Damar etwas sparsamer. Hagebutten, Alkannawurzel, Wachholderbeeren, Sternanis und Lavendelblüten (jeweils nacheinander, nicht vermischen dabei!) mörsern. Kardamom mörsern und Schalen entfernen. Damar nur gleichmässig zerstossen, falls grössere Stücke vorhanden, nicht mörsern, da er sonst zu schnell verfliegt in der Mischung. Harze verfliegen in der Regel schneller als viele Kräuter, wenn man sie zu fein verwendet. Alles in eine Schüssel geben und mit der Hand vermengen. Die Rauchentwicklung der Mischung ist moderat und verfliegt recht schnell, da sie nicht sonderlich Harz-lastig ist. Die Mischung hat mir so gut gefallen, dass sie fast komplett aufgebraucht ist, normalerweise hebe ich immer einen Rest auf.

Die Hagebutte

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Hagebutte. Photo © 2007 Laetitia Mantis.

Hagebutten findet man an allen Rosenarten (Gattung Rosa, seit der Kreidezeit belegt). Ernten kann man die Früchte im Spätherbst (je später geerntet, desto süsser). Bleiben die Früchte über den Winter am Strauch, so sind sie oft im Frühjahr noch geniessbar. Eigentlich handelt es sich bei den Hagebutten nicht um Früchte, sondern um sogenannte Scheinfrüchte, die Nüsschen enthalten.

Hagebutten sind sehr reich an Vitamin C (auch A, B1, B2), sie enthalten sogar mehr Vitamin C als Zitronen. Inhaltsstoffe der Hagebutte: Zitronensäure, Apfelsäure, Zucker, Pektin, geringe Mengen Carotin, Gerbstoff, Flavone, ätherisches Öl. Die Kerne enthalten Vanilin, Kieselsäure, Fruchtsäuren und Öl.

Die widerhakenbewehrten Haare der Nüsschen können bei Hautkontakt Allergien auslösen („Juckpulver“), die Samen sollten daher nicht einfach gegessen werden. Getrocknet und gemahlen kann man sie allerdings als Vanilleersatz verwenden. Bei der Verwendung als Tee kann man die Kerne ebenfalls drin lassen, sofern man beim Abgiessen ein sehr feines Sieb benutzt.

Entfernt man die Nüsschen, kann man Hagebutten roh essen oder weiter verarbeiten zu: Mus, Mark, Konfitüre, Suppe. Fruchtwein & Likör. Aufgüssen & Teemischungen. Öl. Pulver. Räucherwerk. Ich bin bislang bei Tee und Räucherwerk geblieben, werde aber zukünftig mal ein wenig mehr experimentieren, wobei die Herstellung von zB. Marmelade bei diesen kleinen „Früchten“ wohl eine ziemliche Fummelarbeit sein wird, da die Nüsschen dann ja entfernt werden müssen.

Zum Trocknen aufschneiden, entkernen und im Backofen oder am Kamin trocknen (~ 40-50° C), dabei gut ausbreiten um Kontaktschimmel zu vermeiden. Im Anschluss noch ein paar Tage ausgebreitet an einem nicht zu kalten (vorzugsweise dunklem) Ort aufbewahren. Getrocknete Hagebutten hebt man in Glas, Ton oder Keramikgefässen auf, keinesfalls in Metall, um eine Oxidation des Vitamin C zu vermeiden.

Hagebutten selber kultivieren ist aufgrund der weiten Verbreitung eigentlich nicht notwendig, aber relativ leicht. Die Hundsrose (Rosa Canina, eine Wildrosenart) eignet sich hervorragend als Heckenrose, sie bevorzugt es sonnig und hat gerne einen tiefgründigen lockeren Boden. Sie wächst auf den meisten Böden sehr gut, langfristig bevorzugt werden kalkhaltige Standorte. Die Wildrose fühlt sich bis zu einer Höhe von 1500 Metern an trockenen Hängen (sie ist eine gute Bodenbefestigung!) und Weg- und Waldrändern wohl und kommt in ganz Europa vor. Eine Pflanze kann mehrere Meter hoch werden. Sämlinge sollten erst nach zwei Jahren ausgepflanzt werden (bevorzugt im Herbst). Nach dem Anpflanzen regelmässig giessen. Kompost und Pferdemist eignen sich als Dünger. Die Hundsrose blüht im Frühjahr. Verblühte Blüten sollte man keinesfalls entfernen, da sich die Hagebutten an denselben Trieben entwickeln. Wenn die Früchte leicht weich sind und sich gut von der Pflanze ablösen lassen wird geerntet (ca. Oktober, andere Arten auch früher).

Feuchte Früchte verderben sehr schnell, deswegen sollte man entweder bei trockender Witterung ernten oder die Früchte sofort verarbeiten. Einmal im Jahr sollten die Sträucher geschnitten werden, besonders alte Äste sollten runtergeschnitten werden, da sie weniger Früchte tragen. Hasen, Mäuse und Vögel freuen sich ebenfalls über Hagebutten, der Sammler sollte also immer ein paar Früchte für die Tierwelt zurück lassen.

Räuchermischung: Venus

Myrthe (1 Löffel)
Rosenbläter (rot) (1 Löffel)
Jasminblüten (1 Löffel)
Patchouli (1 Löffel)
Damiana (1 Löffel)
Hagebutten (1/2 Löffel)
Rotsandelholz (1/2 Löffel)

Colophonium (1/2 Löffel)
Benzoe (Sumatra) (1/4 Löffel)
Opoponax (1/4 Löffel)

Styrax (1/2 Löffel)
Moschuskörner (1/2 Löffel)

Copaivbalsam
Elemiöl

Schwere, „sinnliche“ Komponenten, Farben rosa – grün, klebrige Konsistenz, gute Rauchentwicklung. (Öle & Elemi zum Schluss beifügen und eine Weile offen stehen lassen, damit das Elemi antrocknen kann. Danach erneut gründlich mörsern.)

Räuchermischung Wie-Kyphi II

Wacholderbeeren  (1 Löffel)
Wacholderspitzen (1 Löffel)

Veilchenwurzel (½ Löffel)
Kalmuswurzelstock (½ Löffel)
Alkannawurzel (1 Löffel)
(alle Wurzeln werdengemalen)

Myrhhe (1 Löffel)
Colophonium (1 Löffel)

Rotwein (Shiraz) (entsprechend)

Wacholderbeeren und -spitzen gut mörsern. Wurzeln untermischen und Harze hinzugeben (in passender Grösse zerstossen). Mischung mit Rotwein durchfeuchten, so das eine dunkle Optik entsteht. Eine Weile offen stehen lassen vor dem Verschliessen (Schimmelgefahr duch Feuchtigkeit).

Räuchermischung: Wie-Kyphi I

Wacholderbeeren (3 Löffel)
Zitronengras (1 Löffel)

Olibanum (Eritrea) (2 Löffel)
Myrhhe (1 Löffel)
Colophonium (1½ Löffel)

Kalmuswurzelstock (1½ Löffel, gemalen)

Rosenblätter (2 Löffel, optische Komponente)

Honig (dunkler, flüssiger Honig) (1 Löffel)
Rotwein (Shiraz) (2 Löffel)

Wacholderbeeren und Zitronengras gut mörsern. Harze zu passender Grösse zerstossen und hinzufügen. Gemalenen Kalmuswurzelstock hinzufügen. Rosenblätter nur leicht zerdrücken und druntermischen. Rotwein und Honig unter die Mischung rühren, bis alles gut verteilt ist. Eine Weile offen stehen lassen vor dem Verschliessen (Schimmelgefahr duch Feuchtigkeit).

Räuchermischung: Feuer I

Palo Santo (1 Löffel)
Süssholz (1 Löffel)
Rotsandelholz (1 Löffel)

Orangenschalen (1 Löffel)
Hagebutten (1 Löffel)

Patchouli (1 Löffel)
Erdrauchkraut (1 Löffel)
Rosenblätter (1 Löffel)

Kakaoschalen (1/4 Löffel, gemalen)

Guggul (½ Löffel)

Bernstein (½ Löffel)

Drachenblut (1/4 Löffel)

Hölzer gut zerstossen. Orangenschalen, Hagebutten, Patchouli, Rosenblätter und Erdrauchkraut jeweils sehr gut mörsern. Gemahlene Kakaoschalen dazugeben. Guggul, Bernstein und Drachenblut zerkleinern und drunter mengen. Ganze Mischung wiederholt durchmörsern (die verwendeten Harze sind zäh genug, um das ohne grossen Schaden zu ertragen).